.dd und .de - zwei Domains für Deutschland

.dd und .de - zwei Domains für Deutschland

03.10.2020 | 14:57 Uhr

.dd Domain

Internet-Adressen mit der Endung .de kennt heute jeder. Doch bis Oktober 1990 gab es auch die Endung .dd für Systeme in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Das Web in der heutigen Form war damals noch nicht erfunden, die Domains waren hauptsächlich bei der E-Mail-Kommunikation im Einsatz. So wurden seinerzeit E-Mails von der Uni Jena in den VEB Carl-Zeiss geschickt, Absender waren Adressen mit der Domain uni-jena.dd.

Aber mit der weiten Welt gab es keinen Austausch. Die so genannte Top Level Domain .dd entsprach zwar der offiziellen Namensliste der zuständigen Internationalen Organisation für Standardisierung (ISO) und wurde der DDR 1974 zugeteilt. Aber in das offizielle Namenssystem des Internet, dem globalen Adressbuch, wurde die Domain niemals eingetragen.

Das Internet-Adressbuch

Anfang der 1970er Jahre bestand der Austausch im Internet zwischen den wenigen Computern lediglich über Nummern, die so genannten IP-Adressen. Diese gibt es auch heute noch. Um Computer einfacher im Netz finden zu können, schuf man ein Adressbuch, die so genannte Host-Datei. Dort trug jeder wie in einem Telefonbuch Servernamen und die dazugehörigen Adressen ein.

Die Listen glich man dann untereinander ab. Doch mit der Zunahme an Geräten wurde das Pflegen dieser Listen immer komplexer und aufwändiger. So gab es dann Anfang der 1980er-Jahre erste Ideen, ein hierarchisches Namenssystem einzuführen.

Jonathan Postel als Internet-Pionier übernahm als Student an der University of California in Los Angeles die Aufgabe, ein solches System einzuführen. Später setzte er diese Arbeit an der University of Southern California (USC) fort.

Was er ursprünglich ganz alleine machte, wird heute von der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) durchgeführt: die Koordination von Adressen und Namen im Internet. Die Projekt-Arbeit Postels wurde vom US-Handelsministerium finanziert, entsprechend mussten Entscheidungen durch die US-Behörden genehmigt werden.

Dies war ganz zu Anfang kein Problem, die ersten Top Level Domains .edu, .mil und .arpa waren auf Einrichtungen in den USA beschränkt. Mit seinem System führte Postel aber auch Länderadressen ein und teilte diese per Handschlag zu.

So bekam die Bundesrepublik Deutschland am 11. November 1986 die Endung .de entsprechend der 2-buchstabigen ISO-Kennung DE zugewiesen. Die Verwaltung der ersten Adresse unter .de wird durch den US-Netzbetreiber CSNET übernommen. DDR-Wissenschaftler hörten von der Zuteilung per Handschlag und versuchten so, auch für .dd eine offizielle Eintragung zu erlangen. Die Verhandlungen zogen sich aber aufgrund des Kalten Krieges lange hin - bis 1990.

1987 kommt das Domain Name System

Die Verwaltung der Adressen in einer großen Adressbuchdatei wurde in den 1980er-Jahren immer komplexer. Man führte daher ein System ein, bei dem das große Adressbuch aufgeteilt wurde.

Einträge für .de fanden sich fortan in einem eigenen Adressbuch für Deutschland, das Adressbuch für .edu enthielt die Adressen der US-Bildungseinrichtungen. In einer globalen so genannten root-Zone, dem übergeordneten Adressbuch wurden die Verweise zu den zuständigen Servern für die jeweilige Top Level Domain vorgehalten. In zwei Dokumenten (RFC1034 und RFC1035) wird dieses System im November 1987 als Standard des Internets eingeführt.

1988 wird die Verwaltung der .de-Adressen an die Informatikrechner-Betriebsgruppe (IRB) der Universität Dortmund übertragen. Dort konnte jeder Interessent seine Adressen auf Anfrage eintragen lassen.

Wiedervereinigung und DENIC

Noch im Monat der Wiedervereinigung beschäftigte sich auch die ISO mit der internationalen Bezeichnung Deutschlands. So bekam am 30. Oktober 1990 das wiedervereinigte Deutschland die neue ISO-Nummer 276 (BRD 280, DDR 278) und aus DD wurde DE.

Damit hatten sich alle Bemühungen von DDR-Wissenschaftlern erledigt, für die DDR die Adresse .dd weltweit nutzen zu können. Das Deutsche Forschungsnetz (DFN), das an die Universitäten der neuen Bundesländer schnell Einzug hielt und für die weltweite Kommunikation sorgte, kümmerte sich darum, dass an den Hochschulen statt .dd nun .de für die Adresszuweisungen zum Einsatz kam.

Das DFN war im August 1993 dann auch treibende Kraft für die Modernisierung der immer größer werdenden Domainverwaltung an der Uni Dortmund. Zusammen mit den beiden kommerziellen Internet Providern EUNET und Xlink gründete man den Interessenverbund Deutsches Network Information Center (IV-DENIC).

Dieser schrieb den Betrieb des Nameserver-Dienstes bundesweit aus. Das Rechenzentrum der Universität Karlsruhe übernahm so ab Januar 1994 zunächst für drei Jahre die Verwaltung der damals etwa 1.000 .de-Domains.

Bis Mitte 1996 erhöht sich die Zahl der registrierten .de-Domains auf 20.000. So beschloss im Dezember 1996 eine Versammlung von 37 deutschen Internet Providern die Gründung einer Genossenschaft zur Verwaltung der deutschen Domains und der Bereitstellung der dazu notwendigen Infrastruktur.

Dies war die Geburtsstunde der DENIC eG. Seit Juli 1997 sitzt die DENIC in Frankfurt am Main und verwaltet heute über 16 Millionen .de-Domains.

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